steinkreuz auligk andere seite kopie dr. kuhfahl 1912
standort abzweig michelwitz

Groitzsch, OT Auligk, Lkr. Leipzig, A: südl. der Kirche, im südl. Winkel des Abzweiges nach Michelwitz (K 7954) von der Ortsdurchgangsstraße, vor umzäunter Grünanlage

Obertägige Maße: Höhe 1,01 m, Br. 0,68, T. 0,16, das breitflächige Steinkreuz aus Sandstein besitzt kurze breite Arme, Schaft und Kopferweiterung, wobei der Kopf vermutlich durch das Abziehen mittelalterlicher Hieb- und Stichwaffen abgeschrägt deformiert wurde, ein standortbedingtes Merkmal derartiger Kleindenkmale - hier kam früher viel waffentragendes Volk vorüber, s. Einf. (Verf.)

das Kreuz wird im Ort als Grenzkreuz zwischen den Bistümern Zeitz/Naumburg und Merseburg angesehen, da im Mittelalter zwischenzeitlich mitten durch Auligk die Grenze verlief (...kirchspiel-groitzsch.de-Kirchen); ‘stand einst mitten auf der Straße’ (Lit. H. Looß, 1930, S. 236 und 1963 mündlich an Autor H. Quietzsch durch Kantor Hunger, Gatzen, der ersteres um 1950 von 80 jährigen Einwohner erfuhr); das Denkmal stand früher wenige Meter entfernt auf der Straße, mit zwei anderen Kreuzen zusammen, zwischen der Kirche und dem Gasthof (1963 mündl. von Kantor Hunger an H. Qietzsch); mündl. 1963 durch den damals 80 jährigen Theodor Schobt, Auligk: ‘hat früher auf der Wegkreuzung gestanden, zwei weitere Kreuze ihm nicht bekannt’; das 1912 entstandene Foto von Dr. Kuhfahl (s.r. Lit. Dr. G. A. Kuhfahl, 1928) zeigt bereits die bis nach 1963 bestandene Standortsituation; zwischen 1963 und 1972 durch Straßenausbau ca. 3 m zurückversetzt, dabei gehoben und um 180° gedreht; seit dem 3. Juni 1975 denkmalgeschützt (Verf. nach Lit. H. Quietzsch)

die örtliche Deutung ‘Grenzkreuz’ lässt sich schnell erklären, sie wurzelt in der 1905 verfassten Schrift des Pfarrers P. K. Helbig aus dem nahen Groitzsch: ‘Die Steinkreuze im Königreich Sachsen als Grenzzeichen’ (Mitteilung des Vereines für Sächsische Volkskunde, 3. Bd., 1903-1905, Heft 12, 1905, S. 369-389 m. Abb.); darin versucht Pastor Helbig mit reichlichem Aufwand von geschichtlicher Phantasie den gesamten Steinkreuzbestand, soweit er damals schon entdeckt war, zum Grenzzeichen kirchlicher Herrschaftsgebiete zu deuten, wofür er heftigen Widerspruch der deutschen Sachkenner erntete (z.B.: Mogk, Mitteilungen des Vereines für Sächs. Volkskunde, Okt. 1913, S. 79, Walter, Heimatblätter vom Bodensee zum Main, 1923, Beck, Schlesien, S. 588, Nägele, Württemberg, Jahrbücher für Statistik und Landeskunde 1913, 2. Heft, S. 400, Pfau, Erzgebirgszeitung XXVIII, Teplitz 1907, Heft 4, Naumann, Steinkreuze von Bautzen und Umgebung, S. 9, Frank, Deutsche Gaue, Heftz 171/72 S. 186, u.a.); daraufhin wurden bzw. konnten auch keine weiteren Belege zur Verteidigung dieser ‘Grenztheorie’ durch den Verfasser vorgelegt werden (Verf. nach Lit. Dr. Kuhfahl, 1928, S. 22, 28, 167, 202, 206)

Textauszüge Lit. Rainer H. Schmeissner, Steinkreuze in der Oberpfalz, Regensburg 1977, S. 13-14, 105-106:

Das Jahr 1928 dürfte bahnbrechend in der Geschichte der deutschen Steinkreuzforschung gewesen sein, denn mit dem Erscheinen des prächtig aufgemachten Werkes von G. A. Kuhfahl ‘Die alten Steinkreuze in Sachsen’ begann eine neue Ära ...              

1.5.3. Steinkreuze als Grenzzeichen: Die sog. ‘Grenzzeichenlehre’, das ist die Annahme, die Steinkreuze in ihrer überwiegenden Mehrheit als ursprüngliche Grenzmarkierungen zu betrachten, schien nach der absurden Grenzzeichentheorie des sächsischen Pfarrers K. Helbig, der die Steinkreuze seines Gebietes als kirchliche Hoheitszeichen ansah, in der Steinkreuzforschung der 2. Hälfte des 20. Jh. überwunden. Das absolute Festhalten an einer originalen Grenzfunktion eines Steinkreuzes, d.h. das Steinkreuz wurde als Grenzkreuz primär errichtet, lehnt die moderne Forschung heute jedoch weitgehend ab. Zwar steht ein nicht geringer Teil von Kreuzen interessanterweise auf Grenzen (einige weisen sogar durch eine eingemeißelte Kreuzmarke den Stein als Grenzmal aus), doch muss hierzu die Feststellung geäußert werden, dass allein auf Grund dieser Tatsache noch keine direkte Steinkreuz-Grenzstein-Identifikation abgeleitet werden kann. Es gibt jedoch eine Reihe von Beispielen, in denen urkundlich nachgewiesen werden konnte, dass Steinkreuze tatsächlich zum Zwecke einer Abmarkung einer Grenze erstellt und an den so abzugrenzenden Platz gebracht wurden. Ein Steinkreuz in Weisenau bei Mainz mit dem Mainzer Wappen bezeichnete die Grenze des städtischen Burgbannes (Lit. K. Frölich, Das Rätsel der Steinkreuze, S. 64), auch die städtischen Friedensbezirke von Leipzig, Coesfeld und Echternach oder Freiburg wurden auf ähnliche Weise gemarkt ... 

Quellangaben: Lit.: 1. Dr. G. A. Kuhfahl, Die alten Steinkreuze in Sachsen, Ein Beitrag zur Erforschung des Steinkreuzproblems, Dresden 1928, S. 213, Nr. 6 m. Abb. Nr. 14, S. 34 / Nachtrag zum Heimatschutzbuch von 1928 (1936) S. 33, Nr. 8 / 1912, S. 60 / 1913b, S. 171 / 1914, S. 223 / 1918, Nr. 5 m. Abb. 39 (s. Literaturhinweise: Publikationen) 2. Harald Quietzsch, Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen, Inventar Bezirk Leipzig, Berlin 1980, Nr. 4, S. 21-22 m. Abb. 9, daraus: 3. P. K. Helbig, 1905 s.o. und gl. Titel, Leipzig 1926, S. 26 m. Abb. 28 und gl. Titel, in: Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der Deutschen Geschichts- und Alterthums-Vereine Bd. 54 (1906) S. 123, 4. H. Looß (Looss) Ein Denkmal. Mitteilung des Landesvereines Sächsischer Heimatschutz Bd. 19, Heft 5-6, S. 236-238, 5. M. Engelmann, Das Steinkreuz im Walde. Kulturspiegel des Kreises Borna. Borna. April 1955, S. 6-7, 6. G. Müller-H. Quietzsch-H.-J. Wendt, Zur Steinkreuzforschung und -erhaltung. Sächsische Heimatblätter 10. Jg., Heft 3, S. 257-268 m. Abb. 12, 1964 

wappenstein auligk andere seite
standort unterhof auligk

Auligk B: nördl. der Kirche, westseitig der Ortsdurchgangsstraße vor Grundstückszaun Herrenhaus Adelsfamilie von Görschen (Linie Auligk, erbaut 1810 von Friedrich August Iman von Goershen, ehem. Rittergut Auligk, Unterhof) ‘Wappenstein’ 

Maße: Höhe 0,73 m, Br. 0,46, T. 0,16, der wohl einst hexagonförmige Wappenstein aus Sandstein besitzt einen ersetzten Schaft und zeigt angeblich das kaum mehr erkennbare Wappen des Zeitz/Naumburger Stiftes im Relief (Bistum)

‘Kirchengeschichtlich ist Auligk insofern interessant, dass im Mittelalter mitten durch den Ort die Grenze zwischen den Bistümern Zeitz/Naumburg und Merseburg verlief. Aus dieser Zeit haben sich noch zwei Kleindenkmale in der Dorfmitte erhalten, ein Sühne- oder Grenzkreuz sowie ein Wappenstein des Zeitz-Naumburger Stiftes’ (Textquelle: ...kirchspiel-groitzsch.de-Kirchen-Auligk

steinkreuz gatzen andere seite kopie lit. dr. kuhfahl 1928
standort

Groitzsch, OT Gatzen, Lkr. Leipzig, ca. 150 m vom nördl. Ortsrand, westseitig an der Straße nach Saasdorf (S 65) auf der Höhe 

Obertägige Maße: Höhe 0,62 m, Br. 0,64, T. 0,24, das Steinkreuz aus Sandstein mit gerundeten Kreuzarmen ist durch Abschlag des Kopfes verstümmelt (Bruchstelle erkennbar, Foto Rückseite), wobei dieser Befund bereits aus der Lit. Dr. Kuhfahl, 1928, hervorgeht, s.r. Kopie; das Kreuz ist seit dem 3. Juni 1978 denkmalgeschützt und derzeit durch erheblichen Schrägstand gefährdet; nach einer Sage hat ein Bauer seinen Kutscher mit der Gabel erstochen (Frau Schobt, Gatzen, 1963 mündl.); nach anderer zum Gedächtnis an einem 1661 begangenen Mord an einem Wandergesellen gesetzt (Lit. Kupfer, 1841) 

Quellangaben: Lit.: 1. Dr. G. A. Kuhfahl s.o. 1928, S. 103, Nr. 63 m. Abb. 91, S. 139 / Nachtrag zum Heimatschutzbuch 1928 (1936) Nr. 74, S. 36 / 1912, S. 60  / 1913b, S. 171 / 1914, S. 224, Nr. 53 / 1916, S. 20 / 1918, S. 56, Nr. 53 m. Abb. 42 (s. Literaturhinweise: Publikationen) 2. Harald Qietzsch s.o. 1980, S. 24, Nr. 6 m. Abb. 11, daraus: 3. H. O. Kupfer, Gazen. Sachsens Kirchen-Galerie. 6. Bd.: Siebente Abtheilung - Die Inspectionen Borna und Pegau. Dresden 1841, S. 12-15, 4. R. Steche, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreich Sachsen 15. H.: Amtshauptmannschaft Borna. Dresden 1891, 5. P. K. Helbig s.o. 1905, S. 377 und 1906b, S. 11, 6. M. Engelmann s.o. 1955, S. 6-7 

verschollene Objekte: 1. Groitzsch, ein Steinkreuz stand zwischen Groitzsch und Großprießligk auf dem Flurstück ‘zum Steinkreuz’ (Quelle: 1. Kuhfahl, 1928   s.o. S. 225, Nr. 22, Verz. II, verschwundene Steinkreuze, daraus: 2. Helbig, 1906 s.o. in Mitt. des Verf. für Sächs. Volkskunde von 1906, S. 120)

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