kreuzstein bad muender andere seite
standort auf friedhofsmauer

Bad Münder, Lkr. Hameln-Pyrmont, A: auf der Mauer der Nordecke des alten Laurenti-Friedhofs, Ecke Lange Straße / Laurentiusweg, ‘Peststein’

Maße: Höhe 1,32 m, Br. 1,04, T. Kreuz 0,18, Rundteil 0,08, der untere Teil des Schaftes des Kreuzsteins aus Wesersandstein mit rundem Oberteil fehlt; das nasenbesetzte gleicharmige Kreuz ist 5 cm tief erhaben im Relief gearbeitet und läuft am Fuß auf Schaftbreite aus; die vertieften Flächen ergeben eine Kreisscheibe mit Schaft; unter der kleinen viereckigen Vertiefung, in der früher eine Verankerung steckte, Reste einer arg verwitterten Inschrift, wovon nur ‘anno dni’ zu erkennen ist; Rückseite ebenfalls mit Inschriftsfragmenten; das Denkmal stand früher an unbekannter Stelle vor der Stadt und soll an eine Pestepidemie erinnern; derzeit unmittelbar über der heute zugemauerten Erbbegräbnisgruft der Familie Büsing; im Jahre 1759 wurde hier als letzter der Kgl. Hofrat Dietrich Büsing, Hannover, beigesetzt (Verf.)

Quellangaben: Lit. 1. Werner Müller-E. H. Baumann, Kreuzsteine und Steinkreuze in Niedersachsen, Bremen und Hamburg, Hameln 1988, S. 138 m. Abb. Nr. 3822.13, daraus: 2. F. H. Hesse, Führer durch Hannover Stadt und Land, o.J., S. 172, 3. A. Hoffmann, Die mittelalterlichen Steinkreuze, Kreuz- u. Denksteine in Niedersachsen, Hildesheim/Leipzig 1935, S. 26-27, T. IX, 4. K. Piepho, Geschichte der Stadt Bad Münder, 1960, S. 75, 5. H. Viebrock,  Kreuzsteine in Niedersachsen, Bremen 1910, S. 429-430, 6. A. Rein, Ein alter Kreuzstein findet kaum Beachtung, in: Deister Weser Zeitung, Hameln 22. 4. 1983, 7. Jürgens-Nöldeke-v. Welck, Die Kunstdenkmale der Provinz Hannover, 1941, S. 150

mesenstein bad muender detail hinweistafel
standort

Bad Münder B: nordöstl. der Stadt am Rand des Deister am Panorama Weg (Wanderweg nach Springe) ca. 800 m vom Gasthaus Ziegenbuche entfernt, ‘Mesenstein’ (Nachbildung)

Maße: Höhe 1,15 m, Br. 0,50, T. 0,15, der originale, arg verwitterte und beschädigte Kreuzstein, es fehlte die obere Partie, wurde um das Jahr 1900 am ursprünglichen Standort, halb im Boden liegend aufgefunden; diese Örtlichkeit lag unweit tiefer am Abhang des Deister, noch im Wald, der früher bis an die Stadtgrenze reichte, wobei der Stein nach dessen Rodung im freien Felde stand; auf einer Seite der Steinplatte war das untere Schaftstück eines eingerillten Balkenkreuzes auf Halbkreisbogen zu erkennen; die andere Seite zeigte nur noch schwer lesbare Fragmente einer Inschrift; das Denkmal wurde nach der Auffindung am heutigen Platz aufgestellt; aufgrund des schlechten Zustandes wurde 1959 der Bad Münder Bildhauermeister Willy Meyer beauftragt einen neuen Mesenstein zu fertigen, der neben dem alten Stein aufgestellt wurde (v. K.V.=Kur- u. Verkehrsverein); 1968 wurde der Originalstein gestohlen, worauf er kurze Zeit später mitten in der Stadt am Steinhof heimlich wieder abgestellt wurde (wohl durch die empörte Resonanz der Bürgerschaft); die Stadtverwaltung plante die Wiederaufstellung am alten Standort, doch dazu kam es nicht; seitdem ist der Kreuzstein verschollen; Überlieferung: zwei Freunde aus Münder trafen sich zufällig am Rand des Deister und beschlossen auf Wildschweinjagd zu gehen, da nur Curt Mese ein Gewehr bei sich trug lief der andere zurück in den Ort um auch seine Waffe zu holen; der verbleibende erwartete die Ankunft seines Freundes versteckt in einem Gebüsch und ahmte die Laute eines Wildschweines nach; im Glauben ein Tier erlegen zu können schoss der Freund ins Gebüsch und brachte Curt Mese eine schwere Schussverletzung bei; den schnell herbeigeholten Helfern aus der Stadt konnte der Sterbende gerade noch den wahren, entlastenden Tathergang schildern, worauf er verstarb (Verf.)

Quellangaben: Lit.: 1. Müller-Baumann, s.o. S. 107 m. Abb. Nr. 3722.6, 2. Stadt Bad Münder, Hinweistafel

wettberg-junker stein nettelrede rueckseite

Bad Münder C: OT Nettelrede, nordöstl. des Ortes auf dem Taubenberg, einer vorgelagerten Höhe des Deisterkammes, ca. 200 m südlich des Herbert-Mertens-Platz, ‘Junker- oder Wettbergstein’      

Obertägige Maße: Höhe 2,20 m, Br. 0,87, T. 0,21, der ungewöhnlich hohe, giebelförmig gestaltete Kreuzstein aus Sandstein ist beidseitig mit Darstellungen und Inschriften versehen und gilt als der älteste Gedenkstein des Deistergebietes; die Vorderseite zeigt ein im Relief 2 cm tief herausgearbeitetes längsorientiertes Balkenkreuz (H. 1,0 m, Br. 0,50, 0,13) das auf Halbkreisbogen steht und umlaufend umrandet ist, sodass vier vertiefte Flächen entstehen, über die sich eine Inschrift in got. Kurrentbuchstaben verteilt; darüber im Winkel des Giebels das Zeichen der Adelsfamilie von Wettberg, ein Wappenschild mit Ochsenkopf; auf der Rückseite befindet sich eine der Giebelform angepasste vertiefte, umrahmte Fläche, die etwa bis zur Hälfte des Steines reicht; ebenfalls längsorientiertes Balkenkreuz im Relief, das im Giebeldreieck endet (H. 0,80 m, Br. 0, 70 0,08) unter dem Kreuz ist die Darstellung eines umgestürzten Baumes herausgearbeitet; zwischen beiden Elementen, den Halbkreissockel des Kreuzes durchlaufend, zieht sich von links nach rechts der Schriftzug: ‘De vnglückliche bohm’; nach der Überlieferung und der Aussage der Inschrift bezeichnet der Kreuzstein die Stelle an der Junker Christoffer von Wettberg von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde; das Haus Wettberg starb in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges um 1644 aus (Verf.)

Inschrift in den Winkelflächen des Kreuzes:

‘Anno Dni / 1583 den / Januarii is / de edle vnd / erndtuest Chri / stoffer van / wetberg dorch / einen bohm / hirsüluest / dodt geual / er selen got / gnedich sy.’

Quellangaben: Lit.: 1. Müller-Baumann, so. S. 108 m. Abb. Nr. 3722.7, daraus: 2. A. Hoffmann, 1935, S. 4, 27, T. IX, 3. H. Viebrock, 1910, S. 429, 4. J. U. Görlich, Kreuzsteine, Mordsteine, Galgensteine, Stadtoldendorf 1976, S. 22, 5. F. H. Hesse, S. 153, 6. A. Ostermeyer, Denk- u. Kreuzsteine, Deister Weser Z. 11. 3. 1978 u. 12. 6. 1982, 7. Jürgens-Nöldeke-v. Welck, 1941, S. 158

verschwundene Objekte: Bad Münder, außerhalb der ehem. Stadtmauer des Ortes im heutigen nördl. Stadtgebiet führt die Straße ‘Am Steinkreuzweg’ an die B 442, die hier als Sackgasse endet und auf ein ausgegangenes Memorialobjekt hindeutet, Flurname ‘Steinkreuzerfeld’, Steinkreuz beim ‘Schwarzen Pfahle’ (Quelle: 1. Lit. M.-B. Nr. 3722.4)

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