steinkreuz colditz andere seite kopie lit. kuhfahl 1928
standort

Colditz, Lkr. Leipzig, A: westl. Stadtgebiet, linksseitig der Mulde, Rasenfläche unterhalb des Anwesens Rochlitzer Straße Nr. 20, ca. 60 m nordöstl. des Abzweiges nach Thumirnicht und Möseln, 100 m westl. der Bahnbrücke

Obertägige Maße: Höhe 0,72 m, Br. (0,44) T. 0,24, das arg verstümmelte und ausgewitterte Steinkreuz lat. Form aus Braunkohlenquarzit (Knollenstein, Lit. Kuhfahl: Sandstein) weist auf dem Scheitel und den Seitenflächen einige näpfchenförmige Vertiefungen auf, die als Abriebsmale deutbar sind, s. Einf. (Verf.) der Flurname lautet ‘Beim Hartensteine’, bezieht sich auf die Felsklippe mit ehem. Steinbruch nahe südl. des Kreuzes (Lit. Kamprad, 1753, S. 562); bezüglich älterer Quellen wird das Denkmal mit dem *Weichbild der Stadt Colditz in Verbindung gebracht, Textauszug Lit. Dr. G. A. Kuhfahl, 1928: ... Es wird in der handschriftl. Chronik des 1676 verstorbenen Abraham Thamm bereits unter dem Jahre 1557 als ‘uraltes steinernes Weichbild am Hartensteine’ bezeichnet, das bei Einräumung der Erbgerichte 1545 gesetzt und mit dem Wappen der Herrschaft Colditz versehen sei (Quelle: Sciptores rerum Germanicorum Vol II Chronicon Coldicense von Abraham Thamm, 1557, S. 710) die Rückseite lässt zwar Darstellungsfragmente erkennen, doch ist wohl eine einstige Wappenzeichnung ausgegangen; nach Lit. H. Quietzsch, 1980, bzgl. der Thamm’schen Überlieferung, ist das Kreuz 1545 zur Abgrenzung der Gerichtsbarkeit gesetzt worden, damit ein Grenzzeichen; die unmittelbare Nähe der Flurgrenze mit Thumirnicht ist für diesen Zusammenhang zu beachten; die Gleichheit von ‘Weichbild’ und Steinkreuz ist jedoch nicht sicher; das Denkmal stand vor Jahrzehnten weiter zur Straße zu, früher gegenüber der Straße am Steinbruch; nach eine Volkssage liege an der Stelle ein schwedischer Offizier begraben; denkmalgeschützt seit 17. 12. 1962 (Lit. H. Quietzsch, 1980, S. 71, Kuhfahl, 1928, S. 166, Steinkreuzsage, 1966, S. 443)

im Zusammenhang mit der Deutung als Weichbildzeichen sollte doch eigentlich die Frage gestellt werden: ‘ist nur dieses eine Steinkreuz zur Bezeichnung der Grenze der Colditzer Gerichtsbarkeit gesetzt worden und nur am westl. Stadtrand ? - da keine anderen, evtl. auch ausgegangene Kreuze nachweisbar sind, dürfte wohl hier eine sekundäre Verwendung eines viel älteren Steinkreuzes vorliegen, dessen Standort sich dafür anbot (Verf.)

*Weichbild: als Weichbild wird ein bewohntes Gebiet oder Ansiedlung einschließlich der Begrenzungen bezeichnet; ‘weich’ leitet sich von dem alten Wort ‘wik’ ab (für Siedlung bzw. Dorf, noch heute in einigen Ortsnamen erkennbar); rechtshistorisch bezeichnet das Weichbild auch städtisches Gebiet außerhalb der Stadtmauer, das jedoch noch der Gerichtsbarkeit unterstand; an den wichtigsten Schnittstellen setzte man diverse Grenzmale; ähnliche Bedeutung kommt dem ‘Bannmeilenmal’ zu, das ebenfalls städtische, aber auch kirchlich unterstandene Bezirke handelsrechtlich auswies, z. B. das Bannmeilenkreuz (Verf., nach ... wikipedia.org-wiki-weichbild) 

Quellangaben: Lit.: 1. Dr. G. A. Kuhfahel, Die alten Steinkreuze in Sachsen, Dresden 1928, S. 166/205, Nr. 34 m. Abb. 112, S. 168, daraus: 2. Abraham Thamm,   s.o. 1557, S. 710; 3. Nachtrag zum Heimatschutzbuch von 1928 (1936), S. 34, Nr. 38; 4. Harald Quietzsch, Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen, Inventar Bezirk Leipzig, Berlin 1980, Nr. 34, S. 70-73 m. Abb. 48 (u. Kr. Grimma, Gebietsreform 1994), daraus: 5. Kuhfahl 1936, Nr. 38/1913a, S. 45/1914, S. 223, Nr. 29/ 1917, S. 279, 289/1918, Nr. 29, S. 91-93 m. Abb. 65 (s. Literatur-Publikationen), 6. C. Gurlitt, Beschreibende Darst. der älteren Bau- u. Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen 19. H., Amtshauptmannschaft Grimma, Dresden 1897a, 7. J. Kamprad, Leisnigker u. Colditzer Chronica, Leisnig 1753, S. 556-557, 562; 8. H. Wiechel, Alte Steinkreuze in Sachsen, Sächs. Volkskunde Bd. I, H. 11, S. 2-6, 1899, 9. K. Helbig, Die Steinkreuze im Königreich Sachsen als Grenzzeichen, Sächs. Volksk. Bd. III, H. 12, 1903-1905, S. 369-389 u. Leipzig 1906b, 10. R. Sturm-Francke, Kleiner Heimatführer durch den Kreis Grimma, Verz. Kultur- u. Bodendenkmale, Grimma 1953, S. 5, 11. H. Kaufmann-H. Quietzsch, Von der ältesten Besiedlung des Colditzer Landes im Rahmen der Ur- u. Frühgeschichte der Grimmaer Pflege, 700 Jahre Stadt Colditz, Colditz 1965, S. 15-54

steinkreuz colditz standort aegidienkirche colditz

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Colditz B: Stadtkern, an südl. Kirchhofmauer der Egidienkirche, Tiergartenstraße ggü. Einmündung Hirtengäßchen

Obertägige Maße: Höhe 0,69 m (ges. 0,88) Br. (0,49) T. 024, das kleine gedrungene Steinkreuz aus Quarzporphyr mit Verstümmelung eines Armes weist erhebliche Oberflächenauswitterung auf und zeigt ebenfalls näpfchenförmige Vertiefungen; auch die nicht einsehbare Rückseite zeigt keinerlei Einzeichnung; das Denkmal wurde unmittelbar am Standort bei der Gründung zweier Lichtmasten durch den Maurermeister Johannes Zacharias, Colditz, am 2. September 1959 im Erdreich entdeckt; der Fund wurde am 10. 9. durch Ernst Stollberg, damaliger Leiter des Heimatmuseums Colditz, brieflich dem Institut für Denkmalpflege Dresden gemeldet, worauf auch auf seine Veranlassung die Aufstellung am Platze, zwischen den nun mehr beseitigten Lichtmasten, erfolgte; denkmalgeschützt seit dem 7. Januar 1963 (Verf.)  

Quellangaben: Lit.: 1. H. Quietzsch, 1980, s.o. S. 77, Nr. 38 m. Abb. 53/54 (u. Kr. Grimma, Gebietsreform 1994), daraus: 2. H. Kaufmann-H. Quietzsch, 1965, S. 48, 3. H. Quietzsch, Steinkreuz, Der Rundblick, Wurzen, 13. Jg. H. 7, S. 340, H. 10, S. 493, 1966, 4. H. Quietzsch, Steinkreuz, Heimatkundl. Lexikon, Wurzen 1970, S. 70-71

steinkreuz colditz andere seite kopie lit. kuhfahl 1936
standort

Colditz C: südl. der B 107/Leipziger Straße Richtung Schönbach, nach ca. 1,5 km vom nordwestl. Ortsausgang, auf dem ostseitigen hohen Grabenrand eines ‘alten Hohlweges’ (Lit. H. Quietzsch), der 300 m südl. des Abzweiges Sermuther Straße bei der Bachbrücke in südsüdöstl. Richtung auf die Höhe führt, nach ca. 120 m von der Brücke

Obertägige Maße: Höhe 1,15 m, Br. 0,53, T. 0,28, das Steinkreuz lat. Form aus Braunkohlenquarzit (Knollenstein) mit gerundeten Enden weist neben allgemeiner Oberflächenauswitterung einige lochartige Vertiefungen auf, die als Abriebsmale deutbar sind, s. Einf.; im Kreuzungsfeld der Südseite die gerade noch erkennbare Darstellung eines Wagenrades im Relief (s.l. Foto, D. 0,22 m) mit vier Speichen und Ausarbeitung der Nabe (Verf.); das Denkmal wurde 1929 beim Roden gefunden oder vorgefunden, angeblich sei nach der Sage ein Fuhrmann verunglückt (Lit. H. Quietzsch, 1952) denkmalgeschützt seit dem 7. Januar 1963

Textauszug Lit. Kuhfahl, 1936: ‘Das einzige neuentdeckte Kreuz, das wirklich in freier Landschaft steht und mir bis 1928 entgangen war, gehört zur Ortsflur Zschetzsch bei Colditz. Trotz seines aussichtsreichen Platzes inmitten weiter Felder und Grashänge, dürfte es auch heute bei genauer Beschreibung schwer zu finden sein, weil es seitlich der großen Straße und ohne Zugangsweg hinter einem Hügel an einem schmalen Wiesengrund steht und erst fernher vom anderen Talhang aus eingesehen werden kann’

das dargestellte Rad steht zweifelsfrei mit der Sage des verunglückten Fuhrmannes in Verbindung, doch wird es bisher in keiner Literatur erwähnt; ob es sich wirklich um einen nach Lit. Quietzsch alten Hohlweg handelt sei dahingestellt, Standortangabe Lit. Kuhfahl, 1936, S. 44 ‘am Rand einer Mulde unter einem einzelnen Baum’; unmittelbar westl. der Bachbrücke liegt das ‘Zschunkenloch’, ein kleiner Teich, hier führt ein alter Weg von Zschetzsch nach Südwesten (Verf.)

Quellangaben: Lit.: 1. Dr. G. A. Kuhfahl, Nachtrag zum Heimatschutzbuch von 1928, Dresden 1936, S. 10-11, 44, Nr. 294 m. Abb. 135 u. Zschetzsch geführt (s. Literatur-Publikationen), 2. H. Quietzsch, 1980, S. 74-75, Nr. 36 mit Abb. 50 (u. Kr. Grimma, Gebietsreform 1994), daraus: 3. H. Quietzsch, Die Steinkreuze im Kreis Grimma, Maschinenschr. 14 Bl., 22 Abb., 1 Kte., Kreismuseum Grimma 1952, 4. R. Sturm-Francke s.o. 1953, S. 10, 5. H. Kaufmann-H. Quietzsch, 1965, s.o.   S. 48, 6. Steinkreuz, 1966, s.o. S. 493/1970, S. 70-71

kopie lit. h. quietzsch 1980

Colditz D: OT Kleinsermuth, rechtsseitig der Mulde, ca. 800 m südl. des Ortes westl. an Straße nach Colditz, ca. 35 m nordwestl. des Abzweiges nach Collmen

Obertägige Maße: Höhe 0,50 m, Br. 0,45, T. 0,20, das zeichenlose Steinkreuz mit Schafterweiterung aus Rochlitzer Porphyttuff weist neben Oberflächenauswitterung einige alte Kantenabschläge auf; Kopf verjüngt sich unwesentlich; nach einem Meßtischblatt und einem unveröffentlichten Foto (1914) von Kuhfahl, 1941, stand das Kreuz etwa 25 m weiter nordwestl. am Beginn eines Grundes zur Mulde; örtliche Sagen berichten vom Grab eines Soldaten aus dem Dreißigj. Kriege oder die ‘alte Mellrichen’ gehe dort um; das Denkmal wurde durch Gefährdung bei Feldarbeiten um 1952 durch einen Dreibock aus Eisenbahnschienen geschützt; denkmalgeschützt seit dem 17. 12. 1962    

Quellangaben: Lit.: 1. Dr. G. A. Kuhfahl, 1928 s.o. S. 217, Nr. 123 u. Nachtrag zum Heimatschutzbuch 1928 (1936) S. 38, Nr. 135, 2. H. Quietzsch, 1980 s.o. S. 93, Nr. 48 m. Abb. 64 (u. Kr. Grimma, Gebietsreform 2008/2011), daraus: 3. Kuhfahl, 1914, S. 226, Nr. 103/1918, Nr. 103, 4. H. Quietzsch, 1952 s.o. Bl. 4, 5. H. Kaufmann-H. Quietzsch s.o. S. 48, 6. Steinkreuz s.o. 1966, S. 340/1970, S. 70

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