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Eisenach A: Kreuzform im Straßenpflaster am Marktplatz, ca. 30 m südwestl. der Georgenkirche  

Maße: 0,50 m/0,50, das durch helle Pflastersteine geschaffene gleicharmige Kreuz bezeichnet einen denkwürdigen Platz - am 7. Mai 1525 traf der sog. Werrahaufen, ein Heerhaufen aufständischer Bauern des Großen Deutschen Bauernkrieges vor der Stadt ein, um Unterstützung auszuhandeln; der Stadtobrigkeit gelang es die Mehrzahl der arglosen Anführer in die Stadt zu locken, worauf diese sofort arretiert und nach einem Schauprozess auf dem Markt hingerichtet wurden; wenig später ereilte dieses Schicksal auch 17 Anhänger aus der Eisenacher Bevölkerung, nachdem Kurfürst Johann der Beständige wieder Herr der Lage war 

Pressebericht von Karl Heinz Dietze, Thüringische Landeszeitung, 30. 7. 2011:

"Werrahaufen" in der Stadt, Bauernführer wurden auf dem Markt hingerichtet, ein Kreuz im Pflaster erinn- ert, Von Karl Heinz Dietze: Eisenach. Der Große Deutsche Bauernkrieg hatte auch auf Eisenach und sein Umfeld Auswirkungen. In Südthüringen bildete sich ein Bauernheer, der sogenannte "Werrahaufen", dem sich auch die Eisenacher Bauern anschlossen. Am 6. Mai 1525 rückten etwa 2000 Aufständische vor unsere Stadt und lagerten im Bereich des Katharinenklosters. Von dort begaben sie sich an das Georgentor und begehrten Einlass in der Hoffnung, Unterstützung und Hilfe zu finden. Eisenach als Bindeglied zwischen Hessen und Thüringen hätte als Bundesgenosse der Bauern eine bedeutende und strategische Position gehabt und dem herannahenden Heer des hessischen Landgrafen Philipp gefährlich werden können. Aus einer mitgeführten Kriegskasse sollten in der Stadt Waffen und Ausrüstungen gekauft werden. Der Eisenacher Rat ließ die Anführer der Bauern in die Stadt, wo sie sofort festgenommen und vor Gericht gestellt wurden. Verhöre und Folterungen lösten sich ab. Richtstätte vor dem Brunnenkeller: Das Gericht bestand aus dem Schultheißen und aus Ratsmitgliedern, mit denen die Bauern verhandeln wollten. Thomas Müntzer, der sich in Mühlhausen befand, schrieb am 9. Mai einen Brief an Eisenachs Obrigkeit, der den berühmten Satz enthielt: "Die Gewalt soll gegeben werden dem gemeinen Volk." In Eisenach rührte sich niemand, die Bauernführer, denen man Aufruhr und Friedensbruch vorwarf, zu retten. Am 11. Mai 1525 wurden die fünf Bauernführer auf dem Markt enthauptet. Die Richtstätte befand sich zwischen dem Brunnenkeller und dem Standort des ehemalig. Georgenbrunnens. Sie ist durch ein leider schlecht sichtbares, weißes Kreuz im Pflaster gekennzeichnet. Die Leichen der Hingerichteten wurden im Hofe des Dominikanerklosters verscharrt. Kurz nach den Exekutionen traf der Landgraf Philipp von Hessen mit seinen Truppen in Eisenach ein und zeigte sich befriedigt über das vollstreckte Urteil. Der Bauernhaufen hatte sich inzwischen zerstreut. Teile desselben vereinigten sich mit dem Heer Thomas Müntzers, das später bei Frankenhausen niedergemetzelt wurde. Gedenktafel für die Enthaupteten: 450 Jahre nach diesem grausamen Ereignis wurde im Jahr 1975 eine kleine Gedenktafel neben dem Eingang des Brunnenkellers angebracht, auf der zu lesen ist: "Als Bauernführer in die Stadt gelockt, und nach kurzem Prozess am 11. Mai 1525 auf dem Eisenacher Marktplatz enthauptet. Hans Sippel aus Vacha, Jakob Töpfer aus Berka, Werra, Jörg Hain aus Witzelroda, Hermann Stork aus Eisenach, Heinz Bittemer aus Nesselröden." TLZ-Eisenacher Presse, 30.07.2011                                               

Eisenach, B: Nordseite Turmaußenwand Georgenkirche eingemauert in ca. 2 m Höhe, ‘Bäckerstein’

An der Nordseite des 62 m hohen Georgenkirchturmes, der erst 1902 angebaut wurde, befindet sich in etwa 2m Höhe unter dem Kriegerdenkmal ein 40x31 cm großes Sandsteinrelief, auf dem ein kniender Mann mit erhobenen Händen und einer Geldkatze um den Leib in der damals üblichen bürgerlichen Kleidung zu sehen ist. Vor ihm befindet sich noch ein Schild, in dem eine Krämer- oder Kaufmannswaage, eine Wolfsangel und ein Malteserkreuz eingeritzt sind. Darunter wurde ein Teil des alten Steines weggeschlagen und in diese Fläche das Datum 6. 7. 1902 eingeritzt. Die Jahreszahl ist durch das vermutliche Namens zeichen des Baumeisters J H oder H H getrennt. Es kann sein, dass dieser Stein früher etwas größer war. Zwischen Mann und Schild ist ein kleines, etwa 2 cm großes Viereck eingehauen, dessen Bedeutung und Zweck unbekannt sind und das hier störend wirkt. Der Stein müsste im 15.Jh. angefertigt worden sein und soll bis 1898 am Westeingang vor der Kirche gelegen haben. Von dort wurde er wegen der Bauarbeiten herausgenommen und dann in den Kirchturm eingemauert. (Riske 1981)  Ein Bäcker hat aus Geldgier während einer Hungersnot zu kleine Brote gebacken und sie zu teuer verkauft. Auf dem Totenbett verlangte er, dass sein Grabstein vor der Kirche niedergelegt wer den soll, damit ihn alle Kirchgänger für seine Habsucht mit Füßen treten können.

Quellangaben: Riske, Erwin - Steinkreuze und artverwandte Flurdenkmale im Kreis Eisenach, Eisenacher Schriften zur Heimatkunde, Heft 14, 1981, Nr. 38

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standort

Eisenach C: Wartburg, wenige Meter unterhalb der Straße zum Burgtor, ca. 50 m vor der letzten Kehre, ‘Velsbachstein’

Obertägige Maße: Höhe 1,17 m, Br. 0,30  T. 0,22

Pressebericht von Rainer Hohberg, Thüringische Allgemeine, 30. 08. 2011:

Thüringer Sagengeheimnisse ‘Der geschleuderte Ratsher’ Durch den Wurf mit der Blide fand Heinrich Velsbach den Tod. Ein Gedenkstein erinnert an die spektakuläre Hinrichtung eines Politikers. Ratsherr Heinrich Velsbach wurde einst von der Wartburg geworfen. Eisenacher Politiker müssen hart im Nehmen sein, das ist bekannt. Dies scheint besonders für Vertreter der Kommunen zu gelten, die es sich nicht verkneifen können, ihren großmächtigen Landesfürsten gelegentlich die Stirn zu bieten. An solch einen wackeren Streiter erinnert ein sagenumwobener Gedenkstein in Eisenach. Er steht an der Fahrstraße zur Wartburg, auf einer steil abfallenden Wiese unterhalb des Droschkenwendeplatzes. Der Stein ist unscheinbarvom Zahn der Zeit schon kräftig angenagt. Kein Wunder, die Geschichte, an die er erinnert hat sich vor vielen Jahrhunderten ereignet. Als im Jahre 1247 der letzte Landgraf aus dem Geschl. der Ludowiger verstorben war, entbrannte ein blutiger Streit darüber, wer künftig in Thüringen herrschen solle.

Markgraf Heinrich von Meißen hatte einen Großteil des Landes bereits in seinen Besitz gebracht, als Sophie von Brabant ihren Anspruch anmeldete, Tochter der heiligen Elisabeth, aus ludowingischen Geschlecht stammend. Nicht einmal der Kaiser vermochte den Zwist zu schlichten. Chaos herrschte, jeder versuchte das Beste für sich herauszuschlagen. Die Eisenacher Bürger mischten dabei unter Führung ihres Ratsherren Heinrich Velsbach kräftig mit. Sie standen auf der Seite Sophies und ihres minderjährigen Sohnes, das Kind von Brabant genannt. Um den übermächtigen Markgrafen von der Wartburg zu vertreiben, errichteten sie Burgen auf den umliegenden Anhöhen und schnitten die Wartburg so von aller Zufuhr ab. Der Markgraf aber holte zur überraschenden Gegenoffensive aus. In einer stürmischen Gewitternacht zerstörte er mit seinen Rittern nicht nur die Burgen der Eisenacher, sondern nahm dank der Schützenhilfe einiger Verräter auch die widerspenstige Stadt ein. All jene, die gegen ihn standen, wurden grausam bestraft. Er nahm den ganzen Rat gefangen und etlichen der Herren ließ er den Kopf vor die Füße legen. Der Ratsherr Velsbach, der am energischsten für Sophie eingetreten war, sollte auf besonders grausame Weise hingerichtet werden. Bei der Wartburg stand eine Blide, eine mächtige Steinschleuder, mit der man gegnerische Burgen zu beschießen pflegte. Auf diese wurde er nun gelegt und durch die Luft auf eine Wiese unterhalb der Burg geschleudert. Doch er überlebte und schrie noch immer: "Thüringen gehört dem Kinde von Brabant!" Also musste er die Tortur ein zweites und drittes Mal erleiden, bis er sein Leben aushauchte. An der Stelle, wo er niederstürzte, wurde für Heinrich Velsbach ein Gedenkstein gesetzt. Der Ruhlaer Dichter Ludwig Storch erwähnt diese Sage 1837, Ludwig Bechstein nimmt sie in sein Thüringer Sagenbuch auf. Viel früher schon wird das tragisch Schicksal aber in der Chronikliteratur erwähnt. In den 1335 abgeschlossen Reinhardsbrunner Annalen ist über diesen Fall zu lesen: "Nachdem er zweimal geschleudert war, gab er, standhaft immer dasselbe ausrufend, beim dritten Wurf seinen Geist auf." In der Chronik von Johann Rothe heißt es, der Markgraf habe den Ratsherren gar von der Wartburg "in die Stadt Eisenach" werfen lassen. Um 1500 verewigt der Chronist Wigand Gerstenberg den spektakulären Vorfall in einer Federzeichnung. Auch urkundliche Belege liegen vor In den Eisenacher Ratsverzeichnissen aus jener Zeit werden drei Vertreter dieses Geschlechtes genannt. Bei einem, "Henricus de Welsbech", findet sich der später eingefügte Zusatz: "Dieser soll geschleudert sein". Die Sage um den Ratsherren Velsbach kann somit als historisch verbürgt gelten. Ob das als "Velsbachstein" unter Denkmalschutz stehende kleine Monument aber tatsächlich im 13. Jahrhundert als Gedenkstein für den Politiker aufgestellt wurde, ist stark umstritten. Der Gestaltung nach handelt es sich eher um den Pfeiler eines gotischen Heiligenstandbildes, der aus dem ehemaligen Kloster am Elisabethplan stammen könnte. Er wurde vermutlich erst im 19. Jahrhundert, als man die Wartburg-Landschaft mit allerlei historischen Sehenswürdigkeiten "verschönte", am Berghang gesetzt, die mit der Erinnerung an den Tod des Ratsherren verbunden war. Rainer Hohberg / 30.08.11 / TA

kopie lit. f. stoerzner 1984 kopie lit. f. stoerzner 1984

Eisenach D/E: Thüringer Museum, Eisenach, Predigerstr. 2

2 Steinkreuze derzeit nicht zugänglich deponiert, D: Steinkreuz von der Ostseite des Metilsteines, eine Burgstelle nördl. der Wartburg; das Denkmal ging als Geschenk am 15. 2. 1907 in den Besitz des Thüringer Museums über, E: ‘Bonifatiuskreuz’ aus Bischofroda (Wartburgkreis) Garten des Grundst. Eisenacher Str. 104, das got. Kreuz soll ein Massengrab einer hier stattgefundenen Schlacht bezeichnet haben und wurde für 5 Mark am 15. 12. 1901 an das Thüring. Museum Eisenach verkauft

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standort rennsteig

Eisenach F: ca. 3,5 km südwestl. der Wartburg, 80 m nördl. des ‘Rennsteig’ auf Anhöhe bei Schutzhütte, ca. 3,5 km westl. der B 19                      (gut erreichbar über Wanderparkplatz Drachenschlucht / Hohe Sonne an B 19, Wanderweg Richtung Westen R / X9 über ‘Krumme Kahre’, Schutzhütte, ‘Wilde Sau’

detail holzrelief in situ
detail darstellung

Obertägige Maße: Höhe 1,65 m, Br. 0,85, T. 0,26, das Steinkreuz aus Sandstein lat. Form mit gedrungenem Kreuzstand und markanter Schafterweiterung zeigt auf erhöhten Schriftfeldern gotische Ziffern und Inschrift im Relief; am Kopf die Jahreszahl ‘1483’, darunter über die Arme ‘Balthaßer Rodechr’ und im oberen Schaft das Relief einer Jagdszene - ein Mann auf einem Wildschwein sitzend wird von einem zweiten Mann mit einer ‘Saufeder’ (kurzer Jagdspieß zum erlegen gestellter Wildschweine) abgefangen; östl. Kreuzarm durch Abschlag beschädigt; nach archivalischen Überlieferungen ist von einem Jagdunfall auszugehen - bei der Wildschweinjagd ist die benannte Person von einem Tier unterlaufen worden und als der Knecht mit dem Spieß hinzusprang durchbohrte wohl die Waffe aus Versehen seinen Herrn (Verf.)  

1557 Forstort ‘Saukreuz’ (Lit. Riske, 1981); Beschreibung aus Chronik Koch 1720: ‘Anno 1483 im Jahr der Geburth Luthers ist ein Weimarischer Bedienter bey Eisenach auf dem Wald auf der Jagd mit einem fangspieß erstoch word von s. Diener, am steinern + stehet: 1483 Balthasar Rodecher. dran steht die Sau u. dabey der Mann u. d. Knecht’ (Lit. Riske, 1981); 1754 Eisenacher Amtsbeschreibung mit Nennung des Forstortes ‘beym wilden Sau Creutz’ Text: ‘Das wilde Sau Creutz ist ein steinern Creutz vom Jahr 1498 worauf der Nahme Balthasar Rodcher u. 2. Person in alter Kleidung eingehauen, davon einer auf einer wilden Sau reutet, der andere solche anlauffen laßet. Man sagt, es habe ehemals Einer ein Haupt=Schwein aufgefordert, das Schwein aber ihn so unterlauffen daß er auf dem Schwein zu sitzen gekomen. Wie nun sein Diener ihm helfen und zu dem Ende das Schwein anlauffen laßen wollen, sey derselbe unglücklich gewesen, daß er mit dem von dem Schwein ausparirten Fang Eisen seinen Herrn durchbohret (Staatsarchiv Weimar, Eisenacher Archiv, Ämter und Städte, Nr. 368, Bl. 86b-87a, fehlerhafter Druck Lit. Riske, 1981); Poetische Verarbeitung des Ereignisses durch v. Stenglin, 1902 und Spiering, 1921

Quellangaben: Lit.: 1. Frank Störzner, Steinkreuze in Thüringen, Katalog Bezirk Erfurt, Weimar 1984, S. 28-30, Nr. 39 m. Abb. 42 (D), Nr. 40 m. Abb. 43 (E), Nr. 41 m. Abb. 44 (F), daraus: P. Lehfeldt-G. Voss, Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach, Bd. 3, Jena 1913-15, S. 349, 3. R. Block, Alte Steinkreuze in Westthüringen, Eisenach 1926, S. 39, 4. H. Köber, Die alten Steinkreuze und Sühnesteine Thüringens, Erfurt 1960a, S. 44, Nr. 159, 5. K. Langlotz, Steinkreuze in der Umgebung von Eisenach, Zapfendorf 1970, S. 57-58, 6. E. Riske, Steinkreuze und artverwandte Flurdenkmale im Kreis Eisenach, Eisenach 1981 u. Steinkreuze, 1971, S. 9-10, 7. J. Bühring-L. Hertel, Der Rennsteig in Thüringen, Jena 1896, S. 60, 8. v. Stenglin, 1902, S. 606-610, 9. H. Peter, Die ‘wilde Sau’, Eisenacher Zeitung 56, 1923, 17, 10. K. Kohlstock, Bildstöcke, Steinkreuze, Ruinen ..., Gotha 1925a, 11. W. Schönheit, Steinkreuze in Thüringen, 1925, H. 5, S. 138-141

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