steinkreuz jena ziegenhain andere seite
standort

Jena, F: OT Ziegenhain, ca. 1 km südöstl. des Ortes, Grünanlage südseitig am Holzweg, Abzw. Fahrweg zum *Fuchsturm                                        

Obertägige Maße: Höhe 1,22 m, Br. 0,53, T. 0,17, das 1842 umgearbeitete Steinkreuz lat. Form aus Granit steht in nächster Nähe des alten Wegekreuzes oberhalb von Ziegenhain auf der Höhe; hier, am Wege nach Rabis, zweigt nach Norden ein alter Weg nach Jenaprießnitz und zum Hausberg ab (Fuchsturm mit Berggaststätte, ehemals eines der sieben Wunder des alten Jena) talwärts, nach Südwesten hin, ein Weg nach Wöllnitz; der Standort, wohl auch ursprünglich, liegt an der Gemarkungsgrenze Ziegenhain-Jenaprießnitz bzw. Stadtgrenze Jena; dieser Umstand führte im Jahre 1842 bedauerlicherweise zur Umarbeitung des Kreuzes als Wegweiser, wobei heute auf vertiefter Fläche einer Seite unter einem Richtungspfeil fragmenthaft erhalten ‘Rabis’, auf der anderen ‘Jena’, sowie im unteren Teil des Schaftes ‘1842’ eingerillt wurde; der Kopf wurde flachpyramidenförmig umgestaltet; in einer Flurkarte von Ziegenhain und Jenaprießnitz aus 1770 ist das Denkmal am entsprechenden Platze eingetragen (Lit. Buchmann, 1933) (Verf.) 

*Fuchsturm: auf dem sog. Hausberg sind vier mittelalterliche Wehranlagen nachgewisen; die älteste Anlage wird bereits 937 als Kirchberg genannt, worauf daraus im 11.-12. Jh. ein bedeutender Königshof hervorging; Anfang 12. Jh. Errichtung einer Reichsburg (Fuchsturm) und wenig später Anlage der Burg Greifenberg an der Westspitze des Bergspornes als edelfreier Adelssitz; um 1200 Bau der östl. Burg Wintberg durch die Burggrafen von Kirchberg; Ende 13. Jh. drei der vier Burgen im Besitz der Burggrafen; 1304 Eroberung und teilweise Zerstörung der Kirchberger Burgen durch ein Aufgebot thüringischer Städte und des Markgrafen von Meißen; nach mehrmaligem Besitzerwechsel sind Ende des 14. Jh. alle Burgstellen in markgräflicher Hand und Einrichtung eines wettinischen Verwaltungsamtes Wintberg auf dem Höhenzug bis 1480 (Quelle: Stadt Jena, Untere Denkmalschutzbehörde, gesch. Bodendenkmal) 

Quellangaben: Lit.: 1. Winfried Haun, Steinkreuze in Jena, J.-Bucha 2006, S. 61-62, 2. Frank Störzner, Steinkreuze in Thüringen, Katalog Bezirke Gera-Suhl, Weimar 1988, S. 42, Nr. 63 m. Abb. 78, daraus: 3. E. Kern, Alte Steinkreuze und Kreuzsteine in der Umgegend Jenas, Jena 1929, 4. G. Buchmann, Die Steinkreuze im Stadtkreise Jena, Jena 1933, S. 455, 5. H. Köber, Die alten Steinkreuze und Sühnesteine Thüringens, Erfurt 1960a, S. 58, Nr. 502, 6. G. Ost, Alte Steinkreuze in den Kreisen Jena, Stadtroda und Eisenberg, Gera 1962, S. 12, 7. W. Haun, In Stein gehauen, Weimar 1977 u. Steinkreuze, 1981, S. 48

steinkreuz jena-loebstedt andere seite
standort

Jena, G: OT Löbstedt, innerhalb des eingezäunten Geländes des Friedrich-Löffler-Institut (bakt. Tierseuchenforschung) Naumburger Str. 96 (B 88) Einm. Flurweg

Obertägige Maße: Höhe 1,30 m, Br. 1,05, T. 0,25, das recht mächtige zeichenlose Steinkreuz aus Muschelkalk mit gerundeten Enden stand bis 1964 ca. 700 m nordnordwestl. des heutigen Platzes am nördl. Ortsrand von Löbstedt, östl. unterhalb des Heiligen Berges, im Verlauf der Gemarkungsgrenze Löbstedt-Zwätzen; diese Flur wird nachweislich im Jahre 1542 als ‘bei dem Kreuze’ genannt (Lit. Apel, 1929, Buchmann, 1933) und vermutlich erklären sich die weiteren Bezeichnungen wie ‘Grenzkreuz’ und ‘Komturkreuz’ von daher, dass hier die Löbstedter Flur an die damalige Komturei des Deutschritter-Ordens Zwätzen grenzte (Apel, 1929); das Denkmal ist hier zwischen 1931 u. 1964 mehrfach beschädigt worden, wobei es im Frühjahr 1964 beim Abladen von Betonmasten einen Schaftdurchbruch erlitt; durch den Jenaer Steinmetzmeister F. Bock erfolgte eine Reparatur, sowie die Neuaufstellung am 7. 3. 1967 am heutigen sicheren Standort, der ebenfalls auf der Gemarkungsgrenze obiger Ortsteile liegt     

Quellangaben: Lit.: 1. W. Haun, s.o. S. 44 Abb. Nr. 1, 2. F. Störzner, S. 41-42, daraus: 3. W. C. Helmrich, Wanderbilder Jenas, Jena1902, S. 23, 4. H. Apel, Alte Steinkreuze, Jena 1929, 5. G. Buchmann, 1933, S. 454, 6. H. Köber, 1960, S. 58 Nr. 500, 7. G. Ost, 1962, S. 11, 8. Zeugen, Zeugen vergangener Jh., Ausg. Jena 19/ 1967, 9. W. Haun, 1977/1981, S. 49 Abb. 5

standort standort von norden standort museum original

Jena, H: östl. der Altstadt auf nordseitiger Brüstung der Camsdorfer Brücke (Kopie), Stadtmuseum Jena, Markt 7, Ausstellungsraum Gewölbekeller (Orig.)

steinkreuz jena kopie steinkreuz jena original

Maße: Höhe 0,73 m, Br. 0,65  T. 0,20, die nachweislich früheste Erwähnung eines Steinkreuzes, etwa an dieser Position der *Camsdorfer Brücke, findet sich in einer Beschreib. des Verlaufes der Jenaer Gerichtsgrenze aus dem Jahre 1480: ‘... An der Saale hinaus gleich auf das steinerne Creutz das auf der Neuen brücken auf der mauren stehet ienseit dem Kläuselein ...’  (STA Weimar F 533, Bl. 311 b) (Kläuselein: ausgegangene, eigens für die Brücke errichtete kleine Kapelle) Beschreibung des Jenaer Flurumzuges von 1536: ‘... bis zu dem steinern Creuz auf der Brücke ...’ (Lit. Koch, 1932)                             

im sog. ‘Großen Jenaer Amtssiegel’ von 1636: u.a. bildliche Darstellung der Brücke mit dem daraufbefindlichen Steinkreuz (STA Weimar, Eisenacher Polizeisachen Nr. 49, Bl. 194 a) im Jahre 1680 wurden am Steinkreuz eine Frau und deren Tochter einem auswärtigen Gericht übergeben (DKO, 1978), da es neben weiteren ursprünglich fünf Kreuzen die Grenze der Jenaer Gerichtsbarkeit markierte (Lit. Kühn, 1938, Mühlmann, 1959) zahlreiche schriftliche und bildliche Darstellungen blegen zwischen dem 15. u. 19. Jh. das Vorhandensein eines Steinkreuzes, an daraus genau bekannter Stelle, auf der Brücke z.B. auf zwei Stichen von Ludwig Heß (1776-1853, Die Tanne und das Geleitshaus) oder auf mehreren Studentenstammbuchblättern um 1730-50, sowie ein Ölgemälde v. H. Fischer, Jena; auch das Siegel des Ortes Camsdorf vom 18. Jh. zeigte die Brücke mit Steinkreuz (Diezel, 1958) das Denkmal soll angeblich 1842 aus nicht bekannten Gründen in die Saale gestürzt worden sein (Kamsdorfer Brücke, 1939) worauf es 144 Jahre als verschollen galt; 1986 wurde das Kreuz, das sich heute im Stadtmuseum Jena befindet (ohne Hinweistafel) im Gebiet der Straße Am Anger und dem Eisenbahndamm nahe westl. der C. Brücke, in 1,5 m Tiefe bei Baggerarbeiten zur Verlegung einer Entwässerungsleitung, entdeckt; der damalige verantwortliche Tiefbaumeister der Baustelle Herr Robert Heyne, Neuengönna erkannte sofort, dass der Fund ein zu schützendes mittelalterliches Kleindenkmal darstellt und veranlasste nach vorschriftsmäßiger Fundmeldung die Sicherstellung; nach der Lit. W. Haun wird die Vermutung aufgestellt, dass es sich bei diesem Fund von 1986 um das originale Steinkreuz von der Camsdorfer Brücke handelt, wobei es interessant sein dürfte, dass die oben genannten Abbildungen bzw. Stiche (nur) ein einfaches Steinkreuz lateinischer Form zeigen (Auszug Lit. F. Störzner) dagegen besitzt das angebliche Original, sowie folglich die detailgetreue Nachbildung von 2002 mit Aufstellung am alten Platze, Malteser- oder auch Tatzenkreuzform (nach außen verbreiterte Enden) folgt man obiger Vermutung, taucht unweigerlich die zu Denken gebende Frage auf: wie kommt das Steinkreuz vom Grunde der Saale an die Fundstelle von 1986 ? (Verf.)

*Camsdorfer Brücke: im 15. Jh. als erste Steinbogenbrücke der Stadt Jena errichtet; verbindet Ortskern mit den ehem. Ortschaften Wenigenjena u. Camsdorf (Ostseite Saale) die Brücke mit Kreuz zählte einst zu den Sieben Wundern oder Wahrzeichen des alten Jena; 1912-13 Abtragung der alten Brücke und Neubau, der 1945 kriegsbedingt teilweise durch Sprengung zerstört und 1946 unter Mithilfe sowjet.  Streitkräfte wieder aufgebaut wurde; 2005 umfangreiche Komplettsanierung

verschollene Objekte: ein kleines Steinkreuz in Malteserform stand auf der westl. Kirchhofmauer der Schillerkirche in Wenigenjena (Stadtgebiet Jena-Ost) es wurde erst 1978 von B. Braune und R. Kißno, Jena aufgefunden (Ost, 1987); 1986 durch Diebstahl verlorengegangen, worauf ein öffentlicher Suchappel erfolglos blieb (Quelle: Lit.: 1. F. Störzner, S. 39, 2. W. Haun, S. 61)

Quellangaben: Lit.: 1. W. Haun, s.o. S. 60-61, 2. F. Störzner, S. 40 (als verschollen angegeben) daraus: 3. J. K. Schauer, Urkundliche Geschichte von Wenigenjena und Camsdorf, Jena 1846, S. 19, 31, 4. P. Lehfeldt, Grossherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach, Jena 1892, S. 153-154, 5. E. Devrient, Urkundenbuch der Stadt Jena, Jena 1903, S. 281, 6. P. Weber, Die Sieben Wahrzeichen des alten Jena, Jena1927, S. 14-16, 7. H. Apel, 1929, 8. G. Buchmann, 1933, S. 453, 9. H. Koch, Die älteste Chronik der Stadt Jena, Jena 1937, S. 16, 10. W. Kühn, Jenaer Stadtgericht u. Strafrecht 14./15. Jh., Jena 1938, S. 33-35, 11. Kamsdorfer Brücke, ANH Jena 1939, S. 87, 12. R. Diezel, Foschung Thür. Landesgeschichte, Weimar 1958, S. 242-243, 259-260 Abb. 84, 13. O. Mühlmann, Jena als mittelalterliche Stadt, Jena 1959, S. 64-65, 14. I. Knoll, Jena - das liebe närrische Nest, Schrift Stadtmuseum Jena, Jena 1969, S. 42, 15. L. Erhardt-G. Fischer, Sagen aus Jena, Jena 1976, S. 10-11, 16. G. Thieme, Die Camsdorfer Brücke in Jena, Jena 1985, S. 55

c.2012 www.kreuzstein.eu