quelle: tlda weimar quelle: lit. f. stoerzner 1984

Sondershausen, OT Kleinberndten, Kyffhäuserkreis, ca. 1,4 km Luftlinie südwestl. des Ortes im Helbetal, ggü. Waldhaus 'An der Apfeltrift' (Pionierhaus) am Waldrand, nordseitig der Zufahrtsstraße (günstig erreichbar: kurz nach dem westl. Ortsausgang der Fahrstraße 'Trift' ist an der Kreuzung dem Fahrweg Richtung Süden, links, ca. 500 m bis rechts abzweigenden Zufahrtsweg 'Apfeltrift' zu folgen, der dann nach weiteren 500 m in den Bereich des Standortes führt), Steinkreuz (Nachbildung 1989)

Obertägige Maße: (aktuell nicht bekannt), parallelkantiges Steinkreuz aus Travertin von 1989 als Nachbildung des um 1940 ausgegangenen Originalkreuzes (s. Foto Lit. F. Störzner, 1984)

Wohl lat. Kreuzform aus Kalkstein, ca. 50 m westl. des Pionierhauses. Höhe 75 cm, Br. 84 cm, St. 22 cm (H. Köber), 1940 vom Grundstückseigentümer zerschlagen und Bruchstücke 1953/54 beim Bau des Pionierhauses verbaut. Grenzbeschreibung 1665: '...auf der Pferde Koppelhuth, Hohnsteinisch Seiten, stehet ein steinern Creutz, wovon berichtet wird, daß vor etlichen und 50 Jahren ein Schütze von Großenbrüchtern einen Mann von Kleinenbrüchtern, Weidling genannt mit einem Knobelspieß erstochen habe...' (Staatsarchiv Rudolstadt, Amt Keula, Nr. 186, Bl. 11a). Nach einer Sage sei hier ein Schäfer aus Eifersucht erstochen und begraben worden (Verf. frei nach Lit. F. Störzner 1984)

Nachbildung: Höhe 1,04 m; Breite 0,82 m; Stärke 0,18 m. Das Original-Steinkreuz existiert nicht mehr. Seine Bruchstücke wurden in den 1950er-Jahren zum Bau eines Pionierhauses verwendet, nachdem es der Grundstücksbesitzer 1940 zerschlagen hatte. 1989 wurde eine Nachbildung aus Travertin angefertigt und am alten Standort auf dem "Pfingstrasen", etwa 1,2 km südwestlich von Kleinberndten, neben dem Pionierhaus im Helbetal aufgestellt. Um den Ort ranken sich mehrere Überlieferungen: Einer Version zufolge sei hier ein Schäfer aus Eifersucht erstochen und b'Das Steinkreuz hatte eine lateinische Form und war aus Kalkstein gefertigt. Maße der egraben worden' (Textkopie: bodendenkmale-thueringen.de-bodendenkmale-orte-und-zeiten-Kleinberndten-"Pfingstrasen" Steinkreuz, Nachbildung m. Beschreibung u. Foto)

Im oberen Helbetal wurden im Mittelalter viele Wassermühlen errichtet, wie etwa die Stein-, Bretter-, Kühns- oder Rabenmühle u.a., die hauptsächlich Getreide oder auch Ölfrüchte verarbeiteten. Mühlen waren wichtige Versorgungseinheiten der Städte und Dörfer und unterlagen somit der grundherrlichen Justiz, die *Mühlengerichte (Mühlregal) einsetzte zur Abwicklung bzw. Regulierung aller Belange, Auflagen und Rechte. Von daher wird es auch im Helbetal ein Mühlengericht gegeben haben, dessen göttlicher Gerichtsfriede von obigen Steinkreuz als Gerichtskreuz angezeigt wurde (Verf.)       

*Mühlengericht (Mühlregal)
Als Mühlregal (von iura regalia = königliche Rechte, Regalien) bezeichnete man ab dem 9. Jahrhundert ein dem Landes- oder Grundherrn zustehendes Hoheitsrecht bezüglich des Baus und der Unterhaltung von Wassermühlen sowie deren Nutzung (Mühlenrecht). Auch die ab Ende des 12. Jahrhunderts aufkommenden Windmühlen fielen darunter. Seit dem Mittelalter zählt das Mühlregal zu den grundherrlichen Rechten. Der Grundherr war gleichzeitig Inhaber des sogenannten Mühlenbannrechts, das ihm ermöglichte, den Bau weiterer Mühlen in einem bestimmten Umkreis zu verbieten, so dass ein Gebietsmonopol entstand. Darüber hinaus konnte er durch den sog. Mahl- oder Mühlenzwang die Untertanen verpflichten, ihr Getreide ausschließlich in der Mühle des Grundherren mahlen zu lassen, was einen Benutzungszwang darstellte. Für das Mahlen des Mehls entrichteten die Untertanen dem Müller einen Mahllohn in Naturalien, das heißt, indem sie ihm einen Teil des Mahlgutes überlassen mussten. Zusätzlich bezog der Grundherr in manchen Territorien von dem Müller, der die Mühle als Reallehen empfangen hatte, einen Lehenzins in Form von Geld oder Naturalleistungen, im Regelfall gemahlenes Korn, aber auch andere Güter. Im Kurfürstentum Sachsen wurde beispielsweise im Jahr 1766 der sog. Mahlgroschen eingeführt. Ab dem 13. Jahrhundert durften sich die Stadtmüller in Zünften zusammenschließen z.B. Straßburg 1263, Worms 1281 (wikipedia.org-wiki-Mühlregal)

Quellangaben: Lit.: 1. Frank Störzner, Steinkreuze in Thüringen, Katalog Bezirk Erfurt, Weimar 1984, S. 112-113, Nr. 261 m. Abb. 271 (Kopie), daraus: 2. Heinz Köber, Die alten Steinkreuze und Sühnesteine Thüringens, Eisenach 1960, S. 48, Nr. 236, 3. Stephan Altensleben, Rätselhafte Steinkreuze - Die Entdeckung ihrer wahren Bedeutung, Langenweißbach 2023, Internet: 1. bodendenkmale-thueringen.de-Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens: Kleinberndten-"Pfingstrasen" Steinkreuz, Nachbildung m. Beschreibung u. Foto (Kopie, TLDA Weimar), 2. Wikipedia.org

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