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Leisnig, OT Polditz, Lkr. Mittelsachsen, südl. vom Ort, Nordufer der Freiberger Mulde, bündig eingemauert in die östl. Ufermauer des Brückenkopfes (Brücke zwischen Polditz und Altleisnig), Steinkreuz

Ang. Lit. H. Quietzsch, 1980:

Südlich der Ortslage, Nordufer der Freiberger Mulde, unmittelbar östlich der Brücke, bündig eingemauert in die Ufermauer des Brückenkopfes. Genau auf der Flurgrenze mit Altleisnig. 1 Steinkreuz. Arme kurz und gerade, Kopf zur Kreuzung zu leicht verbreiternd, Schaft schlank und zur Kreuzung zu verjüngend. Porphyrtuff. N-S (Ausrichtung). O-Seite, im Kopf beginnend und fast bis zur Fußkante reichend, eingeritzt im Umriß: Schwert mit rundem Knauf und gerader Parierstange; die Schwertspitze teilt die wenig über der Fußkante eingemeißelte Jahreszahl 1527. ‘Die unsichtbare Rückseite soll ein Menschenantlitz tragen.’ (Kuhfahl 1928, S. 193). Höhe=Länge: 146 cm, Breite: 53 cm, Stärke: nicht meßbar. 1527 - die eingehauene Jahreszahl ist zeitgemäß und sicher primär. Ein alter Bruch im oberen Schaftteil ist mit Zement ausgefugt. Allgemeine oberflächliche Verwitterung. Durch Hochwasser und Eisgang gefährdet. Nicht allseitig sichtbar. Geschützt seit 7. 1. 1963. Sage: Treulose Geliebte vom heimkehrenden Soldaten auf der Brücke erstochen (Kuhfahl 1928, S. 193; Stein 1924, S. 188; ausgeschmückt bei Grimmer 1934, S. 21).

Bedeutung: Möglicherweise im Zusammenhang mit dem Brückenbau von 1526/1527 und der Brücke zu sehen. Es soll auf dem Mittelpfeiler dieses sogenannten Kirchsteges gestanden haben (Kuhfahl 1928, S. 193), der 1871/72 durch die jetzige Brücke an gleicher Stelle ersetzt wurde (Grimmer 1934, S. 18). Eine Konzeption für die ursprüngliche freie Aufstellung des Kreuzes in voller Länge oder wenigstens für die Einmauerung in frontaler Sichtbarkeit ist gegeben: Die Schwerteinzeichnung reicht fast bis zur Fußkante, und die Jahreszahl ist tief gestellt (bereits von Kuhfahl 1928, S. 194, beobachtet). ‘Soll alter Überlieferung nach früher in der Mulde gelegen haben’ (Grimmer 1934, S. 21). Stand auf dem Mittelpfeiler des alten Steges, der sich von 1526 bis um 1869 an gleicher Stelle (entgegen der Bahauptung von Kuhfahl 1928, S. 193) befand. In der Literatur irrtümlich unter Altleisnig geführt. Über die Erbauung des Kirchsteges 1526/27, allerdings ohne Nennung des Kreuzes, berichtet unter Zitierung zeitgenössischer Quellen des Pfarrarchivs Altleisnig C. W. Hingst: Kirchen- und Schulchronik der Parochien Altleisnig und Tragnitz, bis zum Jahre 1648, Bl. 60 - Manuskript um 1860 in der Bibliothek des Sächsischen Altertumsvereins im Staatsarchiv Dresden. (Textkopie Lit. H. Quietzsch, 1980)

Ang. Lit. G. A. Kuhfahl, 1928:

‘Von dem Porphyrkreuz, das seit 1871 in der nördlichen Ufermauer neben der eisernen Muldenbrücke bei Polditz eingesetzt ist und früher hundert Meter stromaufwärts auf dem Mittelpfeiler des alten Stegs stand, wird erzählt, daß ein Soldat auf der Brücke seine ungetreue Geliebte erstochen habe (Sonntagsbeilage des Leisniger Tageblatts 1924, Nr. 47). Das Altleisniger Pfarrarchiv berichtet von einem Brückenbau um 1526. Am Kreuz steht unter einer Schwertzeichnung die Jahreszahl 1527 und die unsichtbare Rückseite soll ein Menschenantlitz tragen. Hiernach wird die Sage also durch die Ziffern nicht gerade widerlegt. Zweifelhaft macht mich aber die Stellung der Jahreszahl am unteren Ende; sie tritt heute in der Ufermauer deutlich hervor und trägt auch altertümlichen Charakter, wenn das Kreuz aber je aufrecht am Boden gestanden hätte, würde sie schwerlich lesbar gewesen sein. (Textkopie Lit. G. A. Kuhfahl, 1928, S. 193-194)

Anm.: über derartige Vermauerungen von einst freistehenden Flurdenkmälern kann man geteilter Meinung sein; einerseits ist das Objekt dauerhaft sicher verwahrt, verliert aber dadurch die allseitige Sichtbarkeit sowie auch seine ursprüngliche ‘Ausstrahlung’ als freistehendes Flurdenkmal (Verf.)

Quellangaben: Lit.: 1. Harald Quietzsch, Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen, Berlin 1980, S. 36-39, Nr. 14 Polditz Kr. Döbeln m. Abb. 23 (Kopie), daraus: 2. G. A. Kuhfahl, Die alten Steinkreuze in Sachsen, Dresden 1928, Nr. 1, S. 193-194, Altleisnig bei Leisnig: In der nördl. Ufermauer der eisernen Muldenbrücke, auf Polditzer Seite, eingemauert. Schwert und 1527, u. Nachtrag zum Heimatschutzbuch von 1928 (1936), Nr. 1 (gl. Ang.), 3. Stein, Der sagenhafte Stein an der Brücke Altleisnig - Wiesenthal. Der Mildensteiner Erzähler. Sonntagsbeilage für Heimatkunde und Unterhaltung zum Leisniger Tageblatt, Leisnig 1924, Nr. 47, S. 188 m. Abb., 4. M. Grimmer, Chronik der Parochie Altleisnig-Polditz. Mitt. des Geschichts- und Altertumsvereins zu Leisnig. Leisnig 1934, S. 1-28 m. Abb., 5. A. Horn, Sagen der Heimat in neuem Gewande. 22. Die Sage vom Steinkreuz neben der Altleisniger Brücke. Der Mildensteiner Erzähler ...s. o. 1936, Nr. 24, S. 93-94 m. Abb.

Internet: 1. ...wikipedia.org-wiki-Liste der Kulturdenkmäler in Leisnig, OT Wiesenthal: Liste der Kulturdenkmale in Wiesenthal (Leisnig), Sühnekreuz, Wiesenthal, bez. 1527, In der Stützmauer der Brücke eingelassenes Steinkreuz, von regionalgeschichtlichem Interesse. Südlich des Ortes, am Nordufer der Freiberger Mulde in die Ufermauer der Brücke eingemauert. Steinkreuz aus Porphyrtuff mit eingeritzter Schwertdarstellung und Bezeichnung „1527“. Vielleicht wurde das Kreuz im Zusammenhang mit dem Brückenbau 1526/27 geschaffen. Bis zum Neubau der Brücke im Jahr 1871/72 stand das Steinkreuz auf dem Mittelpfeiler des alten Kirchsteges. Lt. Kuhfahl (Kuhfahl 1928) soll die heute eingemauerte Rückseite mit der Darstellung eines Menschenantlitzes versehen sein. Nach einer Sage wurde eine „Treulose Geliebte vom heimkehrenden Soldaten auf der Brücke erstochen“. Weitere Literatur: Kuhfahl, Dr. G. A.: Die alten Steinkreuze in Sachsen. 1928. Kuhfahl, Dr. G. A.: Die alten Steinkreuze in Sachsen. Nachtrag. 1936. Quietzsch, Harald: Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen. Inventar Bezirk Leipzig. 1980, S. 36–39. LfD/2011. ID 09208403, daraus: Fotokopie, Urheber: Radler59 (Eig. Werk), Liz.-Nr. CC BY-SA 3,0

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