kopie urheber: buedner kopie lit. g. mueller-h. quietzsch 1977

Schirgiswalde-Kirschau, OT Schirgiswalde, Lkr. Bautzen, ca. 1,7 km Luftlinie östl. des Ortes im Wald, 25 m nordöstl. einer Wegbiegung des früheren alten Ortsverbindungswegs Crostau-Ellersdorf, ca. 350 m nordwestl. der Felsformation 'Kälbersteine' (günstig erreichbar: die aus Ellersdorf (Sohland/Spree) nordwärts führende 'Ellersdorfer Straße' erreicht ca. 350 m nach dem Ortsausgang eine Wegeinsel, wo dem linken Weg weitere 800 m immer geradeaus zum Standort zu folgen ist), Kreuzstein, Benennung: 'Kopfstein' später 'Mordgrenzstein' (Lit. S. Altensleben 2023: Sächsisches Meilenblatt Oppach v. 1804, Karte Nr. 12 [Berliner/Freiberger u. Dresdner Exemplar Nr. 357]; Lit. T. Sobczyk/A. Bültemeier 2016: 'Bäckermordstein' oder 'Mordkreuz' 

Obertägige Maße: Höhe 85 cm, Br. 45 cm, T. 35 cm (Lit. T. Sobczyk/A. Bültemeier), arg ausgewitterte spitzrundlich abschließende Granitplatte einfacher Form mit einer seltenen Kombination von Darstellungen - Ansichtsseite oben kleines flächig eingetieftes gleicharmiges Kreuz in Kreisrillung (sog. 'Tatzenkreuz', auch Spielart des griechischen Kreuzes), darunter linear eingetieftes menschlich-dämonisches Gesicht, darunter größeres flächig eingetieftes Tatzenkreuz in Kreisrillung; Rückseite ein vergleichbares Tatzenkreuz in der unteren Hälfte und die eingerillte Jahreszahl '1772' (Verf.)

Der Standort des Steines befindet sich im ehemaligen Waldgebiet 'Capitel Holz' zwischen Schirgiswalde und Crostau. Auf der Karte des Scultetus von 1593 werden die Kälbersteine bzw. der Gipfel (458 m) 'Kelerstein' genannt.
Tatzenkreuze im Kreis auf Kreuzsteinen und Steinkreuzen oder auch über Portalen sind kirchliche Weihezeichen, also 'Weihekreuze', die unter Gottesfrieden stehende kirchliche Gerichtsplätze bzw. Areale anzeigten. Obiges Dämonengesicht ist ein Schreckzeichen, das ebenfalls auf diesen Sachverhalt hinwies. Verletzungen des mittelalterlichen Gottesfriedens zog in der Regel drakonische Strafen nach sich. Auf einem romanischen Tympanon der ausgegangenen Kirche von Spremberg-Stradow (s. BB-Spremberg-D) wird neben Weihekreuzen ein Richtrad der Todesstrafe des Räderns dargestellt.    
Das Bautzener Domstift St. Petri, gegründet zwischen 1213 und 1221, besaß in der Gegend umfangreiche Besitzungen und bezog noch 1510 Abgaben aus Crostau und anderen Orten des Gebietes. Der Kreuzstein wird ursprünglich mit größter Wahrscheinlichkeit ein Regionalgericht dieser Grundherrschaft als Gerichtsstein angezeigt haben.Die Jahreszahl '1772' kann mit dem Ursprung des weitaus älteren Denkmals nichts zu tun haben und ist vermutlich bei einer Umsetzung des Steines eingebracht worden.  
Über den Kälbersteinberg führte einst ein vielfrequentierter Höhenweg von Schluckenau (Sluknov)-Crosta-Bederwitz in Richtung Bautzen (Verf. frei nach Lit. S. Altensleben, 2023)  

Ang. Lit. G. Müller-H. Quietzsch, 1977:
Östlich vom Ort, südlich von Crostau, im Wald nordnordwestlich der Kälbersteine, Forstabteilung 4, 1,30 m nordwestlich vom Weg Crostau-Ellersdorf, 25 m nordöstlich einer Wegbiegung. 1 Kreuzstein. 'Bäckerstein'. Säule mit unregelmäßig viereckigem Querschnitt. Kopfkanten mehr oder weniger  abgeschrägt. Granit. Orientierung der Flächen: SO, N, WNW, SW. SO-Seite, unter dem Kopf eingeritzt: rundes menschliches Gesicht, darunter Kreis mit vertieft eingehauenen, gleicharmigen Malteserkreuz, über dem Gesicht vertieft eingehauenes kleines Kreuz. N-Seite Kreuz wie SO-Seite, Jahreszahl 1772. Höhe: 81 cm, Breite SO-Fläche 42 cm, N-Fläche 42 cm, WNW-Fläche 31 cm, SW-Fläche 16 cm. Alte Abschläge an den Kanten und am Kopf, geringe oberflächliche Verwitterung. Keine Gefährdung. Geschützt seit 20. 7. 1971. Sage: Im Hungerjahr 1772 soll hier ein geiziger Bäcker aus Crostau einen armen Weber aus Ellersdorf erschlagen haben, um sich wieder in den Besitz eines Säckchens Kleie zu bringen, das er ihm vorher verkauft hatte. In der Literatur meist unter Crostau geführt. Altbekannt. (Textkopie Lit. G. Müller-H. Quietzsch, 1977)

Quellangaben: Lit.: 1. Gerhardt Müller-Harald Quietzsch, Steinkreuze und Kreuzsteine in Sachsen, Inventar Bezirk Dresden, Berlin 1977, 76-78, Nr. 43 Schirgiswalde, (Šěrachow), Kr. Bautzen, Mbl. 4952 (70), N 10,6 / O 13,5 m. Abb. 52 (Kopie), daraus: 2. G. A. Kuhfahl, Die alten Steinkreuze in Sachsen, Dresden 1928, S. 44 (Crostau), 3. B. Müller, Heimatbuch des Dorfes Sohland an der Spree und seiner Umgebung, Sohland 1902, S. 48, 4. F. Stoy, Geschichte der Stadt Schirgiswalde, Schirgiswalde 1905, S. 133, 5. J. Naumann, Steinkreuze und Kreuzsteine von Bautzen und Umgegend, Bautzen 1909, S. 26-27 m. Abb. 60, 6. Unsere Heimat, Sonntagsbeil. zum Sächsischen Erzähler, Bischofswerda 1934, Nr. 32, 7. S. Störzner, Das Mordkreuz am Kälberstein, in: Oberlausitzer Erzähler, 1939, Beibl. zur Oberl. Tageszeitung, Neugersdorf Nr. 46, 8. TH. Schütze, Um Bautzen und Schirgiswalde, Berlin 1967, Werte der deutschen Heimat, Bd. 12, 9. Thomas Sobczyk/Andreas Bültemeier, Denkmale in den Oberlausitzer Wäldern, 2016, Oberlausitzer Verlag, Spitzkunnersdorf, S. 365-367 m. Lagekarte, Beschreibung u. Foto, 10.   Stephan Altensleben, Rätselhafte Steinkreuze - Die Entdeckung ihrer wahren Bedeutung, Langenweißbach 2023, S. 94-95, 207, 214, 267 m. Abb. 203a-b v. 2019, unter Crostau 

Internet: 1. wikipedia.org-wiki-Liste der Bodendenkmale in Schirgiswalde-Kirschau, OT Schirgiswalde: besonderer Stein, Schirgiswalde, Kreuzstein, Nachmittelalter, östlich des Orts im Wald nordnordwestlich des Gipfels der Kälbersteine, Gesichts- und Kreuzdarstellungen, Schutz seit 20. Juli 1971 m. Foto v. 25.11.2012 (Kopie), Urheber: 'Buedner' (Eig. Werk), Liz.-Nr. CC BY-SA 3.0

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