gerowitstein wolgast standort

Wolgast, Lkr. Vorpommern-Greifswald, St. Petrikirche, ‘Gerowitsteine’

detail hinweistafel
detail kopie hinweistafel

A: in der St. Petrikirche, nordöstl. Seitenwand, Slawischer Grabstein, Maße: Höhe 0,90 m, Br. 0,50, das etwa rechteckige, am Rand beschädigte Denkmal aus rotem Sandstein, wurde bei Ausgrabungsarbeiten im Jahre 1992-93 in der Südkapelle der St. Petrikirche aufgefunden und wird in heidnische, damit slawische Zeit datiert; die Bildsteinplatte, eine von vier der ältesten Pommerns, zeigt in breitliniger Ritztechnik einen slawischen Krieger mit Spieß, darüber ein gleicharmiges Kreuz, das jedoch in einer anderen Technik eingebracht wurde, nach Ansicht einiger Fachleute später, in der Zeit der Christianisierung (Verf.)

gerowitstein wolgast

B: außen im Turmfundament, links des Einganges, ‘Gerowitstein’

standort
gesamtansicht

Obertägige Maße: Höhe 1,73 m (liegend eingesetzt) Br. 0,64, der Gerowitstein B mit etwa vergleichbarer Darstellung wie A ist auf seiner rechten Seite liegend im Turmfundament vermauert und wird ebenfalls als Slawischer Grabstein gedeutet; s.o. komplette Ansicht bei freigelegter Untertägigkeit während Sanierungsarbeiten des Pflasters im Eingangsbereich der Kirche (Verf.)

Wolgast ‘das Tor nach Usedom’ blickt auf eine bewegte Geschichte zurück; onomastisch wird der Name als altpolabischer Personenname ‘Voligost’ gedeutet, was etwa bedeutet ‘einer, der einen besseren Freund hat’, um 1165 wird aus dem Namen Hologosta Woligost, 1229 Wolegast oder Wolgust und gegen 1250 die heutige germanisierte Form Wolgast; die Gegend um Wolgast war Siedlungsgebiet der wendischen Liutizen, ein loser Bund nordwestslawischer Stämme und ging später im Herzogtum Pommern auf; eine erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 919 zurück als der Dänenkönig Harald die Stadt eroberte; im 12. Jh. beginnt in zunehmenden Maße die Expansion der Franken, damit des Christentums, in die heutigen Ostgebiete Deutschlands, in die Siedlungsräume der hier ansässigen Slawen, die nach Osten verdrängt oder größtenteils christianisiert wurden, s.a. Usedom; als Christianisator Pommerns gilt Bischof Otto I. von Bamberg, auch O. von Mistelbach, der nach der Besetzung des Gebietes durch Herzog Boleslaw III. von Polen, 1121, ins Land gerufen wurde; auf seiner 2. Missionsreise im Jahre 1128 taufte er zahlreiches Volk und zerstörte heidnische Heiligtümer und Tempel, so auch in Wolgast den Jarovit- oder Gerowittempel - Slawischer Gott des Krieges und des Frühlings - an dessen Stelle er vermutlich den Grundstein der St. Petrikirche legte; bereits 1189 heilig gesprochen wird er noch heute als Apostel der Pommern verehrt; 1282 erhält Wolgast durch den Herzog Bogislaw IV. die Bestätigung des Lübischen Stadtrechtes (Lübeck) 1370 erfolgt der Ausbau der St. Petrikirche zur dreischiffigen Basilika; am Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 fällt Wolgast bis 1815 an Schweden; 1710 große Pestepidemie (Quelle: ...wikipedia.org-Wolgast)

in der zur Schau gestellten Vermauerung der christianisierten slawischen Steinmale drückt sich wohl der Triumph, die Erhebung des Christentums über das Heidentum aus, dessen Heiligtümer von den christlichen Glaubensboten zwar zerstört bzw. überarbeitet wurden, die Plätze jedoch weiterhin verehrt und mit christlichem Gemäuer bedeckt - der älteste Steinbau Wolgasts, neben einer wenig südl. gelegenen Wallburg (Verf.)                              

Quellangaben: Hinweistafeln vor Ort, Lit.: Internet: 1. ...wikipedia.org-St.-Petri-Kirche (Wolgast) Slawischer Bildstein

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